Leader's Advisory Point

Innovationen | Versicherungen | Agile Unternehmen​

Was wir von Thomas Cook lernen können​​​

von Dr. Claas de Groot | 02.10.2019

Der Tourismuskonzern Thomas Cook ist vor allem deshalb Pleite gegangen, weil er sich nicht spezialisiert hat, sondern viel zu lange die gesamte Wertschöpfungskette der Pauschalreisen abgedeckt hat. Aus dem Niedergang dieses Dinosauriers sollte auch die Versicherungsbranche Lehren ziehen. Das gilt nicht nur für etablierte Unternehmen, sondern auch für Start-ups. Sie müssen sich auf die Filetstücke der Wertschöpfungskette mit hoher Profi tabilität konzentrieren, wenn sie erfolgreich sein wollen.

Der Tourismuskonzern Thomas Cook ist pleite. Was sind die strategischen Gründe für das Scheitern des über 150 Jahre alten Traditionsunternehmens? Es stand wie kaum ein anderes der Branche für ein Geschäftsmodell, das sich überlebt hat: Einkauf, Konfektionierung und Verkauf von Pauschalreisen, die stark im Preiswettbewerb stehen. Individualreisen mit höherer Marge oder Reisen mit persönlicher oder nur besonderer Note standen bei Thomas Cook nicht in dem Fokus, den sie zumindest in jüngster Zeit hätten haben müssen. Das Wachstum der vergangenen Jahre war getrieben von der Strategie, weiterhin das Gleiche zu tun wie in der Vergangenheit, nur größer. Der Cashfl ow mutierte dabei unversehens in ein dünnes Rinnsal, das am Ende negativ war und für weitere Kredite nicht mehr ausreichte. Viel zu spät wurde der Fokus auf die Wertschöpfungsstufen gesetzt, in denen die gewohnte Profi tabilität noch nicht durch Online-Anbieter erodiert war.

Thomas Cook steht für einen traditionellen Anbieter, der sich im Zeitalter disruptiver Veränderungen nicht schnell genug angepasst hat. Eine Analogie zu den Dinosauriern erscheint naheliegend. TUI steht nach der Pleite von Thomas Cook über Nacht in den Medien als einer der letzten Platzhirsche da, dabei ist es mehr als fraglich, ob TUI von der Pleite profitieren kann.

Ein Blick auf das Kerngeschäft legt das Gegenteil nahe. Das Segment Pauschalreisen wuchs in der jüngeren Vergangenheit in der Topline um zirca fünf Prozent jedoch bei um rund zehn pro Jahr schrumpfendem Ergebnis. Die von TUI so genannten Urlaubserlebnisse wachsen kräftiger mit ansprechendem Gewinnwachstum – das Problem ist nur: fast 90 Prozent des Umsatzes entfallen auf Pauschalreisen mit einer Marge von zirca drei Prozent. „Wir sind auf Kurs, denn wir haben uns verändert“, schreibt der TUI-Vorstand dazu in seinem jüngsten Geschäftsbericht. Das sieht der Kapitalmarkt anders: 50 Prozent Kurseinbuße bei TUI in den vergangenen zwölf Monaten sprechen für sich. Der Gewinner ist Lastminute.com mit einem Kurszuwachs im gleichen Zeitraum von 50 Prozent.

Der Angriff auf Dinosaurier braucht innovative Ideen und deren agile Weiterentwicklung

Aus dem Fall Thomas Cook sollte auch die Versicherungsbranche lernen. Das gilt nicht nur für etablierte Unternehmen. Auch Insurtechs oder Fintechs sind nicht bereits deswegen automatisch erfolgreich, weil sie Start-ups und daher keine Dinosaurier sind. Eines der prominentesten Insurtechs ist Ottonova, der erste voll digitale Krankenversicherer in Deutschland. Die publikumswirksame Vision und die gelungenen Stunts der Führungskräfte können spätestens seit Aufnahme des Geschäftsbetriebs und angesichts der wenig aufregenden Geschäftszahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strategische Ausrichtung des Unternehmens problematisch ist.

Dino_539_539.png

Denn wozu hat Ottonova sich hinreißen lassen? Statt wie Lastminute.com sich auf die Filetstücke der Wertschöpfungskette zu fokussieren, in denen Kundenbedürfnisse und -erlebnisse bei hoher Profitabilität eine Rolle spielen, bildet Ottonova eine komplett integrierte Wertschöpfungskette ab, die als Ganzes weder besonders profitabel ist, noch wegen der starken Regulierung große Sprünge hinsichtlich Innovation erlaubt. Und wer schon einmal mehrere Stunden im Wartezimmer einer Praxis oder eines Krankenhauses verbracht hat, der hat auch realisiert, dass für die Akteure im Gesundheitswesen weder Effizienz noch Digitalisierung im Fokus stehen.

Wenn man schon ein Start-up in die Welt setzt, dann sollte man sich auf spezifische, hoch profitable Wertschöpfungsstufen konzentrieren. Für diesen Angriff auf die Dinosaurier müssen innovative Ideen und deren agile Weiterentwicklung charakteristisch sein. Wenn man eine ganze Wertschöpfungskette angreift, dann muss das Geschäftsmodell als Ganzes innovativ sein und auf ein bislang ungekanntes Kundenbedürfnis abgestimmt werden.

Dennoch war der Schritt des Versicherers Debeka, sich an Ottonova zu beteiligen, clever. Denn so bekommt die Gesellschaft Zugang zu einer Unternehmenskultur, zu einer Infrastruktur, zu einer Erfahrungsbasis und zu weiteren Aktivposten, die sie aus eigener Kraft möglicherweise so nicht oder nicht so schnell hätte aufbauen können.

Wenn Ihr Unternehmen nun weder Thomas noch Otto mit Vornamen heißt, …

… können Sie folgende Einsichten mitnehmen:

  • Innovationsfähigkeit ist längst zu einer Schlüsselanforderung für Unternehmen mutiert, die nicht zum Dinosaurier werden wollen.
  • Digitalisierung und künstliche Intelligenz verstärken diesen Trend zusätzlich.
  • Etablierte Unternehmen müssen ihre Margen verteidigen, indem sie in den Wertschöpfungsstufen, in denen Geld verdient wird, Schwerpunkte des Kundenerlebnisses oder der Kostenführerschaft setzen.
  • Ausgegründete digitale Labore sind keine Lösung. Die Transformation muss das ganze Unternehmen umfassen. Dabei fällt Innovationsfähigkeit nicht vom Himmel, schon gar nicht in unserer Versicherungsbranche mit ihren zahlreichen guten Gründen für den Status quo.

Nehmen Sie für die Entwicklung der Innovationsfähigkeit auch gerne eine chaotische Phase der Unternehmenstransformation in Kauf. Besser intern eine Prise organisatorische Anarchie als nur alle zwei Jahre ein innovatives Pflänzchen, mit dem man nur kurz die Presse aber keine Kunden begeistert.

Dr. Class de Groot

Managing Partner

Friedemann Derndinger

Managing Partner

Wir sind LAP

We advise you to succeed

Erfolgsstrategien in der neuen Unternehmensrealität

Die ambidextrische Organisation

Die ambidextrische Organisation ist die Organisationsform der Zukunft – diese These begründen wir in dem Buch. Dabei verstehen wir unter einer ambidextrischen Organisation eine, die in der Lage ist, die Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts in kleinen Schritten wie auch innovative und ganz neuartige Geschäftsmodelle gleich gut zu beherrschen. Denn Ambidextrie bezeichnet die Fähigkeit, mit der rechten und der linken Hand gleich gut zu sein. Bei dieser Herausforderung müssen Unternehmen mit einer Überlagerung von hergebrachten Organisationsformen leben, die klassische Silo-Organisation hat ausgedient. Wir diskutieren in dem Buch die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Schlüsselfunktionen wie Strategie und Personalentwicklung. Am Ende aber sind es die Menschen, die eine Organisation ausmachen, und so beschreiben wir in dem Buch Überlebens- und Erfolgsstrategien in der neuen Unternehmensrealität für Mitarbeiter, Führungskräfte und Top-Manager. Wenn Sie vor der Herausforderung Innovation stehen, aber noch nicht wissen, wie Sie diese erfolgreich anpacken sollen, ist das Buch das Richtige für Sie.

Das Thema finde ich interessant, hier meine Gedanken dazu:

Datenschutzhinweis Ihre Anfrage wird verschlüsselt über den Server versandt. Ihre Daten werden ausschließlich zur Beantwortung Ihrer Anfrage verwendet. Lesen Sie unsere Datenschutzerklärung.